Schwiegermutter

Vier Stunden in Korea (das ich damals nicht kannte), und das Erste, was dann wirklich anders als in Deutschland war: die respektvolle Verbeugung vor der Schwiegermutter, die mich noch nie vorher gesehen hatte, nach der Ankunft im Flughafen Busan/Gimhae. Niederknien auf den Boden, was ich einmal geübt hatte. Das war 1993 und viele Familienmitglieder erwarteten uns zu Hause. Es wurde mir in dieser Familie leicht gemacht. Keiner erwartete, dass SJ tatsächlich heiraten würde. Alle waren überrascht von der deutsch-koreanischen Heirat.
Das ist lange her, und meine Schwiegermutter war damals nicht mehr jung, aber sehr fit noch. Zweimal war sie die ersten Wochen nach der Geburt ihrer Osnabrücker Enkelkinder in Deutschland. 2001 zum letzten Mal, Ankunft im Flughafen Schiphol in Amsterdam. Danach waren diese langen Reisen nicht mehr möglich.
Die letzten Wochen ging es ihr nicht gut, kürzlich musste sie im Krankenhaus bleiben, leider. Das ist ein Kompromiss, und das Einzelzimmer, das sie jetzt hat, heftig in der Familie diskutiert, vorher war sie auf der Intensivstation. Jetzt ist immer jemand von den Angehörigen vor Ort und übernachtet dort. Die Intensivstation war offen, mit einigen Patienten. Man konnte sie zweimal am Tag für 30 Minuten besuchen und sehen, was im Nebenbett los war. Und umgekehrt. Die Geräte modern, aber der Eindruck von schmuddeligen Ecken war da.
Auch was wir in einem Altersheim auf einer Erkundungstour gesehen haben, war nicht so überzeugend: Warum muss man mitansehen können, wenn älteren Menschen die Windeln gewechselt werden. Warum wird manchmal Banmal mit Älteren, also wie mit Kindern, gesprochen? Ist es der überfordernde Beruf? Ich weiß es nicht, und ich kann auch keine Vergleiche zu Deutschland ziehen, weil ich keine Vergleiche habe.
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Und noch viele offene Fragen über das weitere Vorgehen:
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2 Antworten to “Schwiegermutter”

  1. Lothar und Barbara Says:

    Hallo Ihr Lieben,

    wenn Deine Schwiegermutter mich noch kennen sollte, dann richte Ihr bitte meine liebsten Grüße aus und meine besten Wünsche für eine gute und schnelle Genesung.
    Ich werde Sie hier – weit weg von Ihrer Heimat – in mein Gebet mit einschließen.
    Sie hat auf mich mit Ihrer ruhigen, verchlossenen, natürlichen – und offenen (!) Art Viel eindruck gemacht!
    Jaja, die Zivilisation mit Ihren Pflichten und Zwängen lässt keinen Raum mehr für Großfamilien, wo Alte und Junge zusammenbleiben und gemeinsam aufgefangen werden können – ich glaube, dass ist in Korea ein fast noch tiefgreifender Entwicklungsschritt als bei uns in Deutschland – nicht unbedingt menschenfreundlich, aber offensichtlich in unserer modernen Gesellschaft unumgänglich…leider!

    Ich drücke Euch – und besonder Eurem Mütterchen – die Daumen und wünsche Ihr einen ehrenvollen, schönen, wohlbefindlichen – und langen!!! Lebensabend.

    Grüße aus der Eifel!
    Lothar

  2. Jens-Olaf Says:

    Danke euch!
    Bis im Oktober hatte sie in ihrer alten Wohnung im Schlafzimmer eine Fotoleiste. Darunter immer das Portait aus Malmedy, im Vordergrund sie und ihre älteste Tochter und du im Hintergrund.

    Tja, die Medizintechnik. An die Klammern sich die Hoffnungen, aber damit steht dann auch die Umgebung fest. Nur Krankenhäuser ersetzen kein Zuhause. In Korea gibt es auch kaum ambulante Behandlung, entweder ist man im Krankenhaus oder man ist nicht richtig krank. Und beliebt sind die Tropfbehandlungen. Auch die gehen nur im Krankenhaus, auch wenn die fitteren Patienten mit dem Ständer und Kanülen auf die Straße rennen.

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