Archive for Juli 2010

Ausfahrt Tongdosa Teil 2

Juli 30, 2010

Nur wenige Festungen der koreanischen Geschichte wurden auf flachem Terrain angelegt. In Eonyang ist so etwas noch zu sehen. Im 16. Jahrhundert ausgebaut, wurde sie im Imjinkrieg von den japanischen Truppen zerstört. Das heißt, die Innenbebauung fehlt. Dort sind jetzt Reis- und Gemüsefelder. Aber die Mauerzüge am heutigen Stadtrand sind gut zu erkennen:
Stadtmauer II
Auf der reduzierten Mauerkrone sind teilweise Gemüsegärten angelegt.
Typisch ist, dass Lücken mit kleinen Steinen gefüllt wurden:
Stadtmauer III
Allerdings hat sich die Restaurierung an einem Teilstück nicht daran gehalten, es gab Kritik deswegen:
Eonyang Festung IV
Auch das Prinzip der späteren Bebauung auf der Mauer ist vorhanden:
Auf der Mauer
In der Erklärung und Skizze wird deutlich, dass es keine Stadtummauerung war, sondern einen Verwaltungssitz schützte.
Eonyang Festung V

Ausfahrt Tongdosa Teil 1

Juli 29, 2010

Einst waren die Minen, sei es für Kohle oder Mineralien, eine der Hauptindustrien in Südkorea nach dem Krieg. Vor allem bevor mit dem strategisch geplanten Ausbau der Stahlproduktion in den 60ern begonnen wurde.
Eine Amethyst-Mine kaum 50 Minuten Autofahrt von Busan entfernt ist da schon Geschichte. Wie in einem Museum wird eine Szene nachgestellt:
Amethyst-Höhle V
Und in den Jahrhunderten zuvor wurde auch anscheinend barfuß gearbeitet:
Amethyst-Höhle IV
Ansonsten sind in der Höhle ein Sammelsurium an Themen zu finden, selbst die Insel Dokdo darf nicht fehlen, ein koreanischer Aussenposten vor der Ostküste. Politisch umstritten mit Japan.
Dokdo in der Höhle
Die unteren Stollen sind geflutet, dort kann man ein kurze Fahrt durch die einzelnen Kammern unternehmen:
Amethyst-Höhle
Ein Seitengang wirbt mit besonderem Gi. Dort kann man es wieder mit Hilfe der Amethysten aufladen, eine ganze Familie hatte es sich in einer dafür vorgesehenen Ecke gemütlich gemacht. Obwohl ich bei einigen Kindern skeptisch bin, ob sie noch mehr Gi benötigen, dann wohl eher die Väter, denn die schlafen dort gerne. Jedenfalls in diesem Fall.

Die Kälte im Berginnern wird von einem Eiskünstler genutzt. Eine Klimaanlage drückt die Temperatur auf -5°C, Ergebnis unter anderen:
General Soon-Shin Yi
Sogar eine Eisrutsche ist vorhanden:
Eiskanal
Wenn man sich mehrmals raus begibt, erlebt man einen Temperaturunterschied von 30 bis 40 °C. Da kann das Temperaturgefühl schon durcheinander kommen.

Japan vor der Haustür

Juli 27, 2010

Tsushima ist eine langgestreckte Insel, Buchten ohne Ende, kleine Felsen. Ja, hier waren die Piraten, die jahrhundertelang die koreanische Küste bedrohten. So nah, und doch nicht einfach zu erreichen. Japan.
Tsushima
Selbst von unserem Stadtteil aus zu sehen, wenn das Wetter es zulässt. Durch die Steine der Insel Dadeokdo im Visier:
Gadeokdo III
Und wer es bis dahin nicht schafft, auch auf der Busaner Seite gibt es noch japanische Häuser:
japanisches Haus II

Durch den Hafen – vor Busan

Juli 26, 2010

Vor einiger Zeit hat ein Koreaner ein Ausflugsschiff aus Japan gekauft. Zwei Jahre Genehmigungs-Behördenkampf folgten. Dann endlich konnte er mit den mehrstündigen Touren durch die Buchten Busans beginnen.
Surin mit Besuch aus Bremen:
Christoph
Vorbei an den neuen Brückenpfeilern im zentralen Hafenstück:
Brücke III
An den Felseninseln:
Rundfahrt III
Vor Haeundae:
Rundfahrt II
An den Containerterminals entlang:
Cristoph II

An der Stadtküste

Juli 24, 2010

Update: Gestern sind die George Washington und der südkoreanische Träger Dokdo ausgelaufen. Richtung Osten. Insgesamt sind etwa 8000 Marinesoldaten bei der Übung beteiligt. Diesmal war die nordkoreanische Reaktion etwas anders. Im von ihnen auszulegenden Fall drohen sie mit einem Heiligen Krieg. Unterstützt von Atomwaffen. Der Journalist Robert Koehler nannte es ironisch Nuklearer Djihad.
USS George Washington (CVN-73)

Der Flugzeugträger USS George Washington in Busan. Morgen beginnen die gemeinsamen Seemanöver mit der südkoreanischen Marine. Auch eine Reaktion auf den Untergang der Cheonan.
USS George Washington (CVN-73)

Sommer

Juli 22, 2010

Das Meer liegt nur 35 Fahrminuten entfernt, vom Berg auf Sichtweite. Trotzdem hatten wir erst einen Strandtag. Ich glaube, früher war ich über das Jahr öfter am Meer. Jetzt weiß man, es ist immer da.
Sommer III
Merkwürdig der Nebel morgens, kühl ist es aber nicht. Dafür ist die Sonnenwirkung nicht so stark.
Ansatzweise Dünen, die einzigen, an den ansonsten flachen Stränden oder felsigen Steilküsten in Busan. Dadaepo:
Sommer IV
Auch bleibt der Ansturm noch aus. Der kommt noch.
Die letzte Flut hat Strandgut angetrieben, dies hier ist zufällig:
Sommer V
Wer übrigens am Meer jetzt Geostrategisches beobachten will, der Flugzeugträger USS Washington ist in Busan, drei weitere Zerstörer bewegen sich ebenfalls in dieser Region:

BUSAN, Republic of Korea (NNS) — USS George Washington (CVN 73), the U.S. Navy’s only permanently, forward-deployed aircraft carrier, will visit the Korean port of Busan July 21-25.

In addition to George Washington, three destroyers from its strike group will also visit Korean ports.

USS McCampbell (DDG 85) and USS John S. McCain (DDG 56) will visit Busan, and USS Lassen (DDG 82) will visit Chinhae.

Unterwegs mit dem Geschichtsverein Teil 3

Juli 19, 2010

Die dritte Etappe führt zunächst ins Delta des Nakdonggang. Ein Ort steht für die Salzgewinnung auf den periodisch überschwemmten Feldern durch Ebbe und Flut. Trotzdem musste jahrhundertelang wegen der hohen Luftfeuchtigkeit im Sommer das Salz in Kesseln ausgekocht werden. Fotos gibt es dazu nicht, nur vom Mündungsort, wo das praktiziert wurde:
Salz
Letzte Station, ein 400 Jahre altes Dorf. Und das besitzt noch seine Schutzgeister. Das Besondere: Sie sind als Steinrelief dargestellt und erhalten. Also weder religiös noch großartig konfuzianisch geprägt. Volkskunst könnte man sagen. Und dann ist so eine Darstellung als selten zu bezeichnen:
Dorf
Etwa gleich alt sind die Stelen am Dorfrand:
Dorf
Sie wurden kürzlich gereinigt, daher der frische Ausdruck, oder rekonstruiert.
Das Dorf ist altertümlich und einfach, so auch mancher Briefkasten:
Dorf
Und noch eine Malerei auf Holz:
Dorf III

Unterwegs mit dem Geschichtsverein Teil2

Juli 18, 2010

Teil2
Eden II
Am Rande von Sahagu, über dem Nakdonggang, liegt der „Garten Eden“. Ein früher Park in Busan auf einem Felsvorsprung. Es war die Idee eines Christen in den 60ern. Und es lief zunächst gut. Das Bildungsbürgertum kam zu den Kulturabenden mit Klassikmusik. Es wurde am Kamin gesessen, denn die Bessergestellten zeigten ihre besondere Position, indem sie abends nach Rauch vom Holzfeuer rochen.
Dann brachen die 80er an, die Familie besaß jetzt unten am Fluß das modernste Haus, Vater und Sohn betrieben erfolreich Musikcafes, während noch viele in den alten Hanoks lebten. Die Ufer wurden jetzt verfüllt, Kneipenstraßen entstanden, die Schüler und Studenten der Umgebung hatten mehr Prüfungen zu bestehen und blieben fern. Dann brannte auch noch dem Sohn das Haus ab und damit eine 800 Platten umfassende Klassiksammlung. Heutzutage lebt der Sohn in einem Provisorium wieder auf dem Felsvorsprung, die Aussicht lohnt nicht mehr und wächst durch die gepflanzten Bäume zu. Aber es können immer noch Gäste kommen. Ausschank ist möglich und auch Musik wird täglich gespielt, wenn auch nicht mehr so oft live.
Der Sohn berichtet:
Eden
verfallen:
Eden III
Irgendjemand bittet das eingepackte Klavier auf der alten Bühne zu zeigen, ein geübter Pianist ergreift die Chance:

Unterwegs mit dem Geschichtsverein – Teil 1

Juli 17, 2010

Endlich mal wieder an Osnabrücker Zeiten anknüpfen: Fast durch Zufall sind wir auf eine Zeitungsannonce gestoßen, in der eine Tour mit einem Geschichtsverein rund um das Nakdonggang-Delta angeboten wurde. Heute haben wir uns angeschlossen.
Erste Station, die alte Festungsmauer des uralten Verwaltungsbezirks Dadaepo in Busan. Hier lag der Hafen am nächsten zu Japan. Er wurde bereits am zweiten Tag des Imjinkriegs eingenommen (1592). Angeblich haben sie sich, als die Pfeile ausgingen, mit den Dachziegeln der Hauptgebäude verteidigt.
Einst lag die südliche Mauer direkt am Meer, aber der Hafen ist hier aufgefüllt worden. Jetzt finden sich die Steine der Festungslinie in Hinterhöfen:
Dadaepo I
Sandstein stammt aus dem Meer, der härtere aus der Umgebung. Der Tourführer zeichnet die Situation mit der Überbauung auf der Mauerkrone nach:
Dadaepo II
Oben im Foto der grob strukturierte rötliche Sandstein:
Dadaepo
Zweite Station war Hadan, ein Stadtteil am Flußdelta. Früher ein wichtiger Umschlagplatz für Salz und die Produkte des landwirtschaftlichen Umlandes. In den 80ern wurde hier weitflächig aufgeschüttet, so dass das Wasserufer jetzt weiter entfernt ist. Ich schätze auf einen Kilometer. Ein Gedenkstein erinnert an die alte Situation:
Hadan
Hier gab es Muscheln, die zu einer bekannten Suppe verwendet wurden. Noch heute gibt es Restaurants, die das als Spezialität anbieten:
Muschelsuppe
In den 90ern, als ich die ersten längeren Aufenthalte in Korea hatte, wohnte meine Schwiegermutter im benachbarten Sahagu. Fast jeden Morgen bekam ich zum Frühstück diese Suppe (mit Reis natürlich). Jetzt verstehe ich den örtlichen Zusammenhang. Auf dem Markt waren und sind die Muscheln ein Dauerbrenner.

Bildungsdebatte

Juli 16, 2010

In Busan wird über neue politische Ziele nachgedacht. Es gab vor kurzem eine Wahl und als Folge neue Stadtregierungen und Landesbildungsminister. Die Chosun-Ilbo (Zeitung) hat deshalb eine Artikelserie gestartet, in der die ausländische Perspektive zur regionalen Politik vorgestellt wird. Deshalb bekam ich auf Umwegen eine Anfrage, ob ich etwas über Bildungsziele schreiben könnte. Heute wurde das Ergebnis veröffentlicht. In erster Linie bin ich auf die verschiedenen Prüfungsinhalte am Ende der Schullaufbahn eingegangen. Konkret habe ich eine deutsche Prüfungsaufgabe im Abitur genannt, wo man eine neue Aufgabe bekommt, deren Ergebnis eben nicht vorher bekannt sein darf. In Geografie, wo man mit seinem Wissen im Grunde genommen eine Länderstudie anfertigen muss. In den Richtlinien der Bundesländer zum Abitur steht dann auch explizit, dass die gleiche Aufgabe noch nicht im Unterricht behandelt werden durfte. Das ist genau entgegengesetzt zu den Erwartungen an die Prüfungen in Korea. Irgendwo sind die Antworten auf die Tests schon vorhanden, man muss sie nur im Kopf haben. Also, wenn die Politik hier Möglichkeiten zum Handeln hätte, dann wünschte ich mir andere Schwerpunkte in der Schule. Im Hintergrund denkt man dabei vor allem an die eigenen Kinder für die man entscheiden muss, wo sie zur Schule gehen. Da wären Alternativen in Korea sehr willkommen.

Übrigens, so gut Koreanisch kann ich nicht. Das wurde natürlich übersetzt.

Update: Hätte ich nicht gedacht, also auch in der Druckausgabe: