Geduldsprobe


Heute wurde das Heck der Cheonan gehoben. Neben der Suche nach den Vermissten, vier 25 wurden bereits im Wrack entdeckt, wird weiter Ursachenforschung betrieben.
Die Tendenz geht Richtung äußerer Einwirkung. Und dann stellen sich Fragen: Was, wer und warum?
Was mich wundert, ist, dass es solange dauert, die Veränderungen am Metall zu bewerten. Militärs wissen eigentlich, was für Wirkungen bestimmte Waffen auf welches Material haben.
Interessant: In Osnabrück wurde einmal der letzte in Europa vorhandene Siedekessel ausgestellt, aus Utrecht. Ein Vollstreckungsinstrument der Todesstrafe für Falschmünzer im Mittelalter. Angeblich haben napoleonische Truppen, im modernen Geist handelnd, darauf geballert. Die Einschusslöcher waren zu sehen.
Ein paar Bundeswehroffiziere sahen sich das an und meinten: kann nicht. Das Metall sehe anders aus, anders deformiert. Sie meinten, da hat nachträglich jemand der Legende per Hand nachgeholfen.
Also, warum ist es so schwierig, die Folgen eines Torpedotreffers zu verifizieren?
Der deutsche Wikipediaartikel sagt Folgendes zum Torpedo:

Bei Explosion direkt auf dem Ziel geht allerdings ein Teil des Explosionsdrucks in den Hohlraum des Schiffes verloren. Darum wurden Abstandszünder entwickelt oder der Sprengsatz von der Spitze weiter nach hinten im Torpedo verlegt. Durch die dann entstehende Druckwelle im unelastischen Wasser wird der Schaden an ungepanzerten Schiffen trotz des Abstandes erheblich größer.

Alternativ versucht man, Torpedos unter dem Boden des Zieles zu zünden. Dazu wurden Magnetzünder entwickelt, die auf die typischen Veränderungen des Erdmagnetfeldes reagieren, welche die Stahlmasse eines Schiffes verursacht. Wenn der Torpedo beim Unterlaufen des Schiffes explodiert, wird es zunächst durch die Druckwelle getroffen, dann verliert das Schiff durch die expandierende Gasblase an dieser Stelle den Auftrieb und bricht auseinander.

Das scheint für nichtgepanzerte Schiffe zuzutreffen, aber hier?

Update:
Die Marinesoldaten, die bei und nach der Explosion umgekommen sind, sollen offiziell als im Gefecht gefallen bezeichnet werden. Damit wird die Kategorie Angriff einbezogen. Nordkorea baut vor und behauptet, dass hier alles vom „Marionettenregime“ im Süden inszeniert sei. Die Südkoreanische Marine hat dagegen noch ganz andere Sorgen. Die Nachricht von der Explosion wurde nicht vorschriftsmäßig an die zuständigen Befehlshaber weitergegeben. Es dauerte 49 Minuten. Der verantwortliche Kommandeur hatte es angeblich vergessen. Das ist ziemlich unverzeilich an einer Grenze, wo der Norden einen Großteil Südkoreas ständig mit weitreichender Artillerie und Raketen im Visier hat. Der Norden lebt in seiner eigenen Phantasiewelt, muss sich seine eigene virtuelle Realität schaffen, um zu überleben. Im Süden zählt jeder Soldat, die Angehörigen waren stark an den Rettungsmaßnahmen beteiligt. Angehörige waren unter den ersten, die das gerade gehobene Heck untersuchten. Die Lebensgeschichten der überwiegend 20jährigen samt Familienhintergrund werden veröffentlicht. Von wegen der Einzelne zählt nicht. Der letzte Weg, eskortiert:

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3 Antworten to “Geduldsprobe”

  1. swisskimchi Says:

    Die Frage ist, was macht LMB, wenn wirklich NK die Finger im Spiel hatte. Sollte NK diese Aktion ganz bewusst lanciert haben, dann kommt er um eine harte Reaktion nicht herum…sonst ist er politisch nicht mehr tragbar. Oder man kaschiert das Ganze und kommuniziert nie klar, was dahintersteckt…und so wird es wohl kommen.

  2. Jan Says:

    superinteressant! die cheonan war eine korvette, fachsprache fuer blechdose…da ist nicht viel mit panzerung, insofern passt das schon

  3. surin2sayan Says:

    Ja, Nordkorea. Nur wird es einen Beweis brauchen, um irgendwie darauf zu reagieren. Ansonsten hätte man eine Steilvorlage für die Propaganda im Norden. So bleibt der Torpedo, die Schockwelle und das Auseinanderbrechen.

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