Archive for Dezember 2008

Zeit implodiert

Dezember 31, 2008

Die anderthalb Jahre in Gimhae schienen lange, weit weg von Osnabrück. Doch schon am zweiten Tag musste ich feststellen, dass wenig fremd wirkt. Als wenn es die vergangenen Monate nicht gegeben hätte. Fast alles ist am vertrauten Platz. Fast alles. Veränderungen muss man suchen wie diese neue aber vorübergehende Lücke im Stadtbild:
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Anderes bleibt zeitlos, Der Grüne Jäger, ein altes Gasthaus in der Mitte:
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Rückzugsgebiet für das ehemalige weitverbreitete Osnabrücker Pils:
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Sayan hat sich nachträglich ein Weihnachtsgeschenk kaufen dürfen. Die Auswahl zwischen unzähligen Playmobilthemen fiel auf ein weißes Haus mit rotem Steildach (wir haben in Osnabrück mal in so einem gewohnt), Namhae-Stil. Unser Rückgepäck für Korea wächst wieder an.
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Surin und Sayan in Hasbergen:
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Zeit zum Lesen

Dezember 29, 2008

Bei einem ersten Streifzug durch die größte Buchhandlung in Osnabrück bin ich auf die Biografie von Miriam Yun Min Stein gestoßen. Sie ist eine der koreanischen Adoptivkinder in Deutschland. Und, sie kommt aus meiner Stadt. Auf den ersten Seiten gleich der Satz:
„Ich wollte weg aus Osnabrück.“ Tja.
Hier ihr Buch und Webseite: Berlin Seoul Berlin
Wer sich für Frauenthemen und Asien interessiert, hier ein Interview mit ihr im Blog flannel apparel.

Ein anderes Buch habe ich gerade durchgelesen, Martin Hyun, er schreibt über die unterschiedlichen Einwanderungshintergründe der Koreaner in Deutschland. Über die erste und zweite Generation. Er selbst war der erste Deutsch-Koreaner in der Eishockey-Bundesliga.
Sein Blog.

Und ein Comic habe ich entdeckt: Pjöngjang:

2001 reiste Guy Delisle für die Firma Protecrea nach Nordkorea, um dort die Animationsarbeiten zu kontrollieren. Dabei musste er eine Erklärung unterschreiben, dass er nicht von den dortigen Erlebnissen berichtet. Da die Firma jedoch 2003 nicht mehr existierte, konnte er den Bericht dennoch veröffentlichen. Obwohl er sich während seines Aufenthalts täglich Notizen machte, traf er die Entscheidung, ein Buch zu schreiben, erst, nachdem er Nordkorea wieder verlassen hatte. Auch die Zeichnungen wurden alle außerhalb Nordkoreas angefertigt

aus Wikipedia

Ansonsten, es ist hier ebenso kalt, wie es in Korea beim Abflug war. Sayan auf dem Weg zu ihren Spielkameraden in Belm bei Osnabrück. Ebenfalls Kinder aus einer deutschkoreanischen Familie:
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Zurück in Deutschland

Dezember 28, 2008

Eine der ersten Eindrücke nach langer Zeit in Korea, die man im Umfeld des Frankfurter Flughafens sammelt, sind die vielen jungen Servicekräfte aus Familien mit Migrationshintergrund. Etwas, was man in Seoul (noch) nicht sieht. Das setzt sich bis nach Hasbergen, der kleinen Vorstadt von Osnabrück, fort. Ünal und seine Döner-Bude im Zentrum des Ortes:
Döner in Hasbergen
Sein Werbeslogan: „Ein Döner für alle“
Döner Bude in Hasbergen

Der lange Anreisetag

Dezember 27, 2008

Wie angekündigt war der Donnerstag der Anreisetag. Die beiden Kinder und ich. Sj hat uns am Morgen mit dem Auto zum Flughafen in Gimhae gebracht. 30min Anfahrt, halbe Stunde im Flughafengebäude warten, einchecken. Abflug um 10 Uhr 20.
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Inlandsflug:
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Ankunft in Gimpo bei Seoul nach 50min. Dort sofort zum Shuttlebus nach Incheon. Etwa 40 min Fahrtzeit über den Expressway Richtung Incheon International Airport.
DSC02857An Ort und Stelle noch ’ne Reiseversicherung abschließen, dann durch die Passkontrolle zum Gate für Frankfurt.
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Einige Europäer warten dort, wo es aureichend Sitzreihen gibt. Sayans erstaunte Bemerkung: „Die reden ja Deutsch!“
Abflug 13 Uhr 30. Fast 11 Stunden bis kurz vor Mitternacht koreanischer Zeit. Surin schläft kaum, erst über Weissrussland nickt sie ein, na klasse. Wenigstens ist der Flug leer, ganze Sitzreihen sind nicht belegt.
Um Mitternacht (Korea), also am späten Nachmittag (Deutschland) Ankunft in Frankfurt, wir gehen zügig zur Einreisepasskontrolle. Ich lege die koreanischen Pässe der Kinder vor und meinen deutschen am Schalter für die EU-Bürger. Da ich der Vater bin, sollte das keine Rolle spielen. Dass aber die Kinder im koreanischen Pass den Nachnamen der Mutter, also nicht meinen, besitzen, war mir bewusst. Ich: „Ich habe jetzt wohl ein Problem?“ Ja, erwidert die Beamtin. Aber ich bin vorbereitet, eine bürokratische Breitseite wird abgefeuert, ich zeige die zwei Abstammungsurkunden und die Heiratsurkunde, so dass die Namen verglichen werden können. Ergebnis: Einreisehürde genommen.
Jetzt noch zweieinhalb Stunden bis zum ICE warten, der nach Osnabrück fährt, Sayan muss sich übergeben. Der Flug sitzt ihr in den Knochen. Zum Fernbahnhof in Frankfurt geht es zigmal rauf und runter, zischendurch muss man die Magnetbahn nehmen.
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Um kurz nach 19 Uhr Einstieg in die Bahn, weitere dreieinhalb Stunden Fahrtzeit. Wir erreichen nun das 24 Stunden Dauerunterwegssein. Den Rest um 22 Uhr 30 MEZ mit dem Taxi nach Hasbergen bei Osnabrück. Es reicht.
Der Rest ist Leben mit dem Jetlag. Heute sind wir um 2 Uhr morgens aufgestanden. Das ist halt morgens in Korea.

Gesundheits-Check im Hospital

Dezember 24, 2008

Letztes Jahr hatten wir tatsächlich einen normalen Heiligabend. Dieses Jahr hingegen müsste ich eigentlich zum Sprachkurs, der bis 21 Uhr dauern würde, dann ginge es noch anderthalb Stunden weiter mit den verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln. Für heute und die nächsten Wochen hat nun eine angehende Lehrerin aus Deutschland den Unterricht übernommen. Auch für heute.
Stattdessen haben wir an diesem Mittwoch die Zeit genutzt zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Die Gesundheitsbehörde schreibt deswegen jeden (über 40) an und das ganze System funktioniert anders. Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, deshalb sind diese in Korea fast umsonst. Und nun ganz wichtig: Bei schweren Erkrankungen werden Kosten in nennenswerter Höhe nur erstattet, wenn vorher die Untersuchungen gemacht wurden. In der Klinik lief dann alles ziemlich schnell, reibungslos und professionell ab. Die Technik ist auf dem neuesten Stand. Nur die Alternative Magenspiegelung mit oder ohne Narkose blieb mir vorerst erspart. Ein Morgenkaffee kam dazwischen, man muss aber bekanntlich „nüchtern“ sein. Wer zwischendurch Langeweile hat, kann im Warteraum auf großem Screen die letzte Folge aus einem TV-Ärztedrama sehen. Wie schon einmal erwähnt. Das Gesundheitssystem in ein nicht unwichtiger Punkt, wenn man hier längerfristig wohnt.

Hannuri Festival

Dezember 23, 2008



Hannuri Festival

Originally uploaded by Jens-Olaf

Pusan Foreign Language High School

Hannuri Festival

Dezember 23, 2008

Heute sind wir extra zur Oberschule gefahren, um das selbstgestaltete Hannuri Festival zu sehen. Surin und Sayan waren auch dabei, und wahrscheinlich bei ihrem ersten Popkonzert. Die Gruppen: Vorwiegend zusammengesetzt aus dem Jahrgang der 17jährigen. Es war ohrenbetäubend, die Schülerinnen haben geschrieen wie zu besten Altrockzeiten und bei mancher Szene musste ich denken, ist das jugendfrei?
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Nicht nur eine Gruppe hat sich als Frauen verkleidet und geschminkt, hier die Vorbereitungen:
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Auch Theatereinlagen gab es:
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In Miniröcken:
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Noch vier Tage

Dezember 21, 2008

Kalt ist es 4°C, es regnet, Pfützen stehen in den Straßen, die Berge sind wolkenverhangen. Vielleicht fällt das Thermometer, und dann gibt es Schnee. So könnte es weihnachtlich werden. Die Busfahrer haben sich schon dafür entschieden, oder sehe ich nicht richtig?weihnachtsmann3
Donnerstag fliegen wir.

Stand der Dinge

Dezember 20, 2008

Surin hat natürlich auch ihre Zeugnisergebnisse für das Schuljahr erhalten. Sie liegt im Bereich „gut“. Auch sie hat also den oberen Durchschnitt in der ersten Klasse erreicht. Was soll ich sagen? Im Kindergarten hatte sie Nachholbedarf, oder hat nicht die schriftlichen Hausaufgaben mitgemacht, die damals stattfanden. Klarer Startnachteil.
Das Thema ist jetzt abgehakt. Surin ist die schulresistenteste der beiden Schwestern.

Außerdem: Ich habe heute Koreaner und deren Deutsch geprüft. Und ich fühle mich nicht gut, jetzt.

SJ muss vielleicht nach Shanghai im Januar, vielleicht Lübeck im Frühling, vielleicht Göteborg in Schweden, vielleicht Bergen in Norwegen, abwarten.

Jeg ønsker meg Norge.

Update: und wenn Sayan im Kommentar schon von Tara redet, hier ein Erinnerungsfoto vom Mai 2007 kurz vor unserem Umzug.
tara

„Ist das unser Parlament?“ ne, lebendige Demokratie

Dezember 19, 2008

Meine Herren, was ist denn jetzt schon wieder los, im Parlament? Sieben Stunden und 33 Minuten Belagerung, Barrikaden und Meinungsverschiedenheiten. Geht um Freien Handel oder so. Selbst für koreanische Verhältnisse war das Hardcore.parlament1
„Ist das unser Parlament?“, fragt eine Frau im Video. Sowas kann sich noch nicht mal ein mittelmäßiger Regisseur ausdenken, die Szenen im Video hier bei ohmynews