Archive for Oktober 2008

Bis zur nächsten Prüfung

Oktober 31, 2008

Ab und zu schaue ich in das Deutschlehrbuch der Oberschüler, das sie im anderen Unterricht bei ihrem Deutschlehrer benutzen. Gestern sah ich bei einer Schülerin einen Haufen Papiere darin, die aussahen wie Multiple Choice-Übungen. Und tatsächlich, dort waren Grammatik- und Wortschatzfragen. „Wenn“-Sätze, Sätze mit „trotzdem…“. Also alles, was als gesprochene angewandte Sprache im Unterricht nicht funktioniert.
Es hat nun über ein halbes Jahr gedauert, bis ich jetzt wirklich verstehe, wie gelernt wird. Ja, es wird im Buch gelesen, übersetzt, an der Tafel erklärt. Das Übliche. Nur, mehr als zwei Monate vor der nächsten Prüfung bekommen die Schüler etwa 15 prallvolle DIN A4-Seiten zum Lernen. Davon werden am Ende zwei Seiten geprüft. Lediglich mit leichten Änderungen.
Jetzt kann ich eins und eins zusammenzählen. Die Schüler konzentrieren sich auf diese Blätter, der Unterricht ist wahrscheinlich Nebensache. So geht das Jahr für Jahr. Und kaum etwas bleibt für die aktive Sprachfertigkeit.

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Architektur-Symbol der Geschichte

Oktober 29, 2008

Ein Zeitungsbericht hat mich darauf aufmerksam gemacht: Ein Gebäude, das mir schon vor 15 Jahren aufgefallen ist. Damals Polizeistation in Nampodong in Busan. Jetzt ist klar, warum die Architektur so außergewöhnlich ist. Beim Übergang von der Militärherrschaft zu demokratischen Zuständen Ende der 80er war die Polizeistation Ziel von Angriffen der zahlreichen Demonstrationen. Sie wurde wie eine Festung errichtet, kleine Scheiben, viel Stein gegen Molotow-Coctails. Vielleicht wird das Gebäude bald abgerissen, ein Zeuge der Umbrüche. Jedenfalls bemühen sich einige, dieses Geschichtsdenkmal zu erhalten. Ich hab’s wenigstens im Foto:
Polizeistation in Busan
Hier sind alte Pressefotos aus dieser Zeit in Korea: Link

Nachspiel 1993, eine Demo lange nach dem Umbruch. Aber für SJ kamen böse Erinnerungen hoch. Die Polizei forderte hier alle Passanten auf, den Ort zu verlassen, sofort! Die Sache verlief friedlich. Jahre zuvor hat SJ in einer ähnlichen Situation, obwohl unbeteiligt, noch Schutz in einem nächst gelegenen Haus suchen müssen.
Protest in Busan 1993

Bio-Komposter

Oktober 27, 2008



Bio-Komposter

Originally uploaded by Jens-Olaf

Es ist immer ein komisches Gefühl, wenn man von Deutschland aus in andere Länder reist, die teilweise einen technischen Vorsprung haben. Diesmal denke ich nicht an E-stonia, sondern an Frankreich Ende der 80er, als ich das erste Mal nach Paris kam und am Bahnhof Kartentelefone standen. Es ging also mit französischen Münzen nicht, die ich bei mir hatte. Dann musste ich eben zusehen, einen Franzosen zu finden, der mich zum nächsten Kiosk am Gare du Nord brachte. Das Gefühl der Rückständigkeit kommt da schnell auf.
Etwas Ähnliches erlebte ich in Busan am Samstag. Für eine deutsche Familie haben wir die neuesten Wohnanlagen in Dongnae/Busan besichtigt. Auch hier gibt es die Müllentsorgungs-Ecke. Aber da standen auch metallische Behälter, programmierbar: Hier wird der Biomüll mit Wasser erhitzt, dann getrocknet. Nichts mehr mit grüner Tonne.

Surin übt Auf- und Umschschwung

Oktober 27, 2008



Surin übt Auf- und Umschschwung

Originally uploaded by Jens-Olaf

Sonntag war Sporttag, dafür haben wir unseren bevorzugten Platz am Waldrand. Surin versucht sich am Umschwung, am Ende schafft sie es mit Krafteinsatz.

Nach dem Regen

Oktober 25, 2008

Regen
Zwei Tage lang hat es nach einer mehrwöchigen Trockenperiode im Herbst geregnet. Dann aber richtig. Die Temperaturen waren relativ hoch, um 20°C, es fühlte sich wie Sommer an. Abrupt hat danach das Wetter auf klassisch Herbst umgestellt. Ein eher seltener deutlicher Witterungswechsel. Jetzt wärmt nur noch die Sonne, die Luft ist morgens kühl, aber dafür ist es leicht aufgrund der klaren Luft Fotos zu machen.
Hier wird bald die U-bahnlinie oberirdisch nach Busan verlaufen.
Gimhae Oktober II
Laut Vorhersage könnte es der erste Tag mit Maximaltemperaturen unter 20°C im Schatten werden.

Es war einmal der Konfuzianismus

Oktober 23, 2008

Jeder hat so seine Vorstellungen über Respekt vor Älteren, vor Autorität. Die hohe Stellung des Lehrers in Korea. Leute, das war einmal. Eine kleine Episode, die vor allem unseren wichtigsten Englischlehrer aus den U.S.A. auf die Palme gebracht hat. Schüler/oder ein Schüler haben gestern mit einem Marker außen an das Lehrerzimmer der „ausländischen“ Lehrkräfte geschrieben, sie hätten eine Nachricht. Im selben Raum sitze ich. Auf dem Whiteboard stand dann noch, dass die „ausländischen“ Lehrkräfte lernen sollten, den Müll richtig zu trennen. Stimmt. Die drei Abfallbehälter sind oft konfus bestückt. Und „Ausländer“, [ich unterstelle hier nicht eine negative Bedeutung, sondern ist die hier übliche Bezeichnung für Nichtkoreaner] „ihr seid gefeuert“, wenn ihr so weitermacht, dann wäre kein Bedarf mehr an euch (frei übersetzt).
O.k., die Frage war, ist das nun ein Scherz oder etwas ernster. Der wichtigste Englischlehrer war entsetzt. Sie haben im Zimmer einen USB-Stick von einem Kollegen mitgehen lassen. Sein Lebenslauf, persönliche Daten, und Dateien zu den englischsprachigen „Speech-Tests“ sind drauf.

Zwei Zeitungsberichte

Oktober 21, 2008

Erstaunlich, dass in Korea mal ausführlich über Leichtathletik berichtet wird. Aber wenn sie das machen, ist es ausführlicher als bei uns. Ich sage: Sensationell wurde der Weitsprungrekord in Korea verbessert, hier das Pressefoto: „Geflogen“ 8,13 m

Und noch besser die Flugphase hier:

Das andere Thema betrifft archäologische Ausgrabungen in Seoul. Über 6m hoch sind die Kulturschichten im Untergrund seit über 500 Jahren angewachsen:

Die dritte Prüfung – Das Ergebnis

Oktober 21, 2008

Schwein gehabt, meine Schüler an der Highschool haben doch noch ein passables Durchschnittsergebnis erreicht, über 76 Prozent. Beruhigend, dass im Japanischtest nur Ergebnisse im 50er-Bereich erreicht wurden (50 Prozent von 100).
Irgendjemand hat die Resultate an die Tafel geschrieben, die 76,4 Prozent gehören zu meiner Klasse.

Mitte Oktober

Oktober 19, 2008

Jetzt ist wieder die Zeit für die klassischen Herbstfotos. Wahrscheinlich millionenfach wird in Korea dieses Gras mit der Kamera dokumentiert:
Mitte Oktober
Selten sind wir gegen Abend auf dem Berg, im Sommer lohnt es sich auch kaum, die Sonnenuntergänge sind im Oktober besser:
Mitte Oktober
In dieser Jahreszeit wachsen aber noch einige Pflanzen, hier entlang einer Stromleitung:
Mitte Oktober

Jaan Kross und Professor Li

Oktober 18, 2008

Wer auf meiner Linkliste Estland entdeckt, wird sich vielleicht fragen, was das mit Korea zu tun hat. Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Aber Estland ist eines meiner wichtigsten Themen und darüber habe ich vor mehr als drei Jahren das Bloggen angefangen. Es ist nicht das erste Mal, dass es Querverbindungen gibt seit 1994.
Gestern habe ich Professor Sang Gum Li getroffen. Eigentlich ist er zuständig für die deutschsprachige Literatur an der Pusan National University. Weit im Norden von Busan an einem Berghang:
Estland in Korea II
Wahrscheinlich haben Germanistikstudenten dieses Fenster beschriftet:
Estland in Korea
Die Sturm und Drang Zeit und überhaupt deutsche Philosophie stehen bei Professor Li wie bei vielen Koreanern im Vordergrund. Deutschland kennt er schon lange. 1989 hat er vor Ort in der Bundesrepublik miterlebt.
Irgendwann bekam er Joschka Fischers Buch: „Mein langer Lauf zu mir selbst“ in die Hände. Da war er auch schon ein Endvierziger. Und tatsächlich, innerhalb weniger Jahre lief er eine Marathonbestzeit unter 3 Stunden und 40 Minuten. 2004 in der Altersklasse über 50 absolvierte er den Berlin-Marathon in 3:43 Stunden. Und nicht nur das, naturverbunden, waren ihm Schuhe suspekt. Einen Lauf hat er barfuß bestanden. Triathlon ist seine andere Leidenschaft, aber das führte hier zu weit.
In dieser Zeit las er in Deutschland über die EU-Osterweiterung. Estland gehörte dazu. Und besonders ein Artikel über den wichtigsten Schriftsteller des Landes lies ihn nicht los. Er wollte mehr erfahren über Jaan Kross, der in seinen Romanen die Geschichte Estlands verarbeitet hat. Gleichzeitig erfuhr er von den deutschsprachigen Balten und ihrer Literatur, die nun schon selber zur Geschichte gehören. Zwei Estlandaufenthalte folgten. Und tatsächlich beherrscht Professor Li schon ein Alltagsestnisch. Ein Essay von Jaan Kross, den er noch persönlich kennen lernte, wurde von ihm ins Koreanische übersetzt, in diesem Band:
Estland in Korea III
Und überhaupt, er ist der einzige Experte für baltische Literatur in Korea. Der erste Schritt ist getan.