Archive for August 2008

Auf Geschichtsspuren

August 30, 2008

Wir haben uns etwas verkalkuliert. Wir dachten, wir besuchen mal nebenbei die Nachbarfestung. Wir wohnen unterhalb der zentralen Verteidigungsanlage in Gimhae. Etwa 15 Minuten von hier mit dem Auto liegt eine ältere. Aber weil sie als Wanderziel nicht populär ist, haben wir den Hauptzugang verpasst, keine Hinweisschilder weit und breit. Fast eine Stunde mussten wir durchs Unterholz und das Ganze immer schön steil nach oben. Mücken kommen auch zahlreich vor. Am Ende war es wie bei Herr der Ringe, was die Kinder gerne bei solchen Gelegenheiten nachspielen.
Yangdongsanseong
Zu unserer Überraschung wird auch hier gerade archäologisch gegraben. Die Anlage stammt aus der Zeit zwischen 40 und 500 im Gayareich. Danach ist sie wieder verfallen:
Yangdongsanseong 40-500 a.D. mountain fortress
Die Originalmauern werden wieder freigelegt, anschließend folgt die Rekonstruktion.
Gaya fortress 50- 400 a. D.
Oben im Foto ist ganz rechts schwach unsere Festung zu erkennen, unterhalb wohnen wir.
Im Foto unten könnte es sich um Fundamente für Wohnbereiche handeln:
Gaya fortress 50-400 a.D.

Wider den Architekturstumpfsinn

August 29, 2008

Architekturideen haben viele, auch in Korea, aber die werden außerhalb der Zentren nur wenig umgesetzt. Gegen die Phantasielosigkeit setzt sich bereits das „Clayarch Gimhae Museum“ ab. Es liegt in Jillae, das seit Jahrhunderten für Keramikherstellung bekannt ist. Der Rohstoff kommt aus dem Tal, Ton und Lehm. Das Museum zeigt zur Zeit eine Ausstellung über Keramikelemente in der Architektur. Kunstinstallationen zum Thema finden sich in und außerhalb des Gebäudes verteilt. Hier ein Werk aus Stein und vor allem Dachpfannen:
Clay VIII
Zur Anlage gehört ein Turm, der mit bunten Fliesen verkleidet ist:
Clay XII
Die Gehwege drumherum sind mit breiten Pflasterritzen angelegt. Die GaLa-Bauer konnten sich hier mal richtig ausleben.
Clay X
Eine weitere Keramikkonstruktion:
Clay XI
Das offizielle Plakat mit Miniaturhäusern, die schon uralt sein können. Aus China, Bestattungsbeigabe:
Clay XV
Konsequent durchgeplante Innenarchitektur, bis in die Toilettenräume:
Clay VII
Nur vorrübergehend zu sehen:
Clay III
Und das auch, Surin beim Nachforschen:
Clay V

Antiquariat

August 25, 2008

Bücher aus den den 80ern scheinen schon echtes Antiquariat zu sein. Ein Magazin von 1986 zeigt die Veränderungen in Korea der letzten vierzig Jahre. Das Heft haben wir in einem kleinen Geschäft in Gimhae gefunden. In dem dargestellten Jahr herrscht noch der Militärpräsident Chun. Passt ganz gut, da es hier weniger um kritische Begleitung geht, sondern um die Gegenüberstellung der glorreichen Gegenwart mit den schwierigen Anfängen nach dem 2. Weltkrieg (später kommt noch der Koreakrieg).
Trotzdem wundern manche Vergleiche. Zum Beispiel die angeblich stärkere Rolle der Frau im Vergleich zu früher. Nur, warum zeigen sie als modernes Bild einen Show-Ringkampf, wo eine Teilnehmerin in den Schuh der Gegnerin beißt?
Dokument 85

Auf dem Sportgelände

August 23, 2008

Nach einiger Zeit waren wir wieder auf der öffentlichen Sportanlage in Gimhae. Dazu gehört ein Kletterturm. SJ hat freundlicherweise Unterstützung von den anwesenden Sportlern bekommen, die ihre Ausrüstung zur Verfügung stellten:
Kletterwand Gimhae
Surin hat sich das erste Mal im Volleyball versucht, gleich mit ganzem Einsatz:
Volleyball Surin
Auch Surin durfte in Wand:

Verschiedenes

August 23, 2008

Die letzte Ferienwoche für die Kinder geht zu Ende. Zur Erinnerung: Es fängt das zweite Schulhalbjahr an und endet dann im Frühjahr. Das heißt, die ehemaligen Schulfreunde von Sayan beginnen nun das 5. Schuljahr und sind nicht mehr in der Grundschule. Es sei denn, jemand bleibt sitzen, aber das gibt es in Korea nicht.
In der Woche waren einige Schülerinnen meiner Highschool zu Besuch, wir haben einen kurzen Vortrag auf Deutsch vorbereitet, mit dem sie an einem Wettbewerb teilnehmen wollen. Nebenbei habe ich eine wichtige Information erhalten, warum es einigen Schülern schwerfällt am Unterricht teilzunehmen: Sie brauchen die Deutschnote gar nicht. Das betrifft etwa 8-10 Schüler je Klasse von insgesamt 40. Nun bin ich nach einem halben Jahr schlauer.

Wetter: Seit einer Woche bewegen sich die Nachttemperaturen moderat nach unten. Obwohl die Innen- sowie Außentemperaturen in der Nacht noch über 20°C liegen, empfindet man das nun als gemäßigt kühl. Vielleicht ist das nur vorübergehend und es kommt die Hitzewelle zurück, abwarten.

Olympia: Prestigeduell- Korea hat gestern im Baseball gegen Japan gewonnen. Baseball ist der Lieblings-Ballsport für Männer im Fernsehen. Außerdem laufen nun die Taekwondo-Bewerbe, die mit Koreanern gut besetzt sind. Sayan fragt mich nun stündlich nach dem Medaillenspiegel, ob Deutschland wieder auf die vierte Position aufgerückt sei. Gestern war so gesehen ein guter Tag.

Die Olympiageschichten

August 20, 2008

Die Zeiten des dumpfen Medaillenzählens sind vorbei. Das hatten sie früher in Korea wie in Deutschland betrieben. Jetzt werden auch hintere Plätze gewürdigt, oder Tragödien beim Sport. Da ist zum Beispiel der koreanische Gewichtheber, der im ersten Teil überzeugend führte, dann jedoch Muskelprobleme bekam, sich selbst mit Nadeln behandelte und leicht blutend trotzdem das Gewicht nicht schaffte. Am Boden liegend wollte er die Stange nicht loslassen.
Ein koreanischer Bogenschütze kann gar nicht richtig das Ziel erkennen, er hat so schwache Augen. Doch er trifft, indem er alle relevanten Raumbezüge gefühlsmäßig abschätzt.
Erfolgreich war das Badminton-Doppel gegen die haushohen Favoriten aus Malaysia. Und das besondere hier: Der koreanische Spieler nennt seine Partnerin ältere Schwester (das ist üblich). Und die Aufgaben sind gleich verteilt, beide übernehmen jeweils Angriff und Verteidigung. In den Zeitungen wird hervorgehoben, dass Doppel in Korea oft scheiterten, weil früher der meist ältere Spieler die schwierigen Parts übernahm, aber nachher in der Leistung durch Überbelastung nachließ. Im Artikel steht ein spontaner Wunsch: „Nuna“ (ältere Schwester), lass uns zusammen nach London gehen [nächste Olympiade].
Nuna

Wochenende

August 17, 2008

SJ wird morgen bei der Bremer Firma anfangen, fast die ganze Familie liegt nach einem Strandtag früh im Bett. Nur draußen hört man Olympia-Kulisse, allmählich wird es lauter, denn im gemischten Badminton-Doppel führen die beiden Südkoreaner gegen das Team aus Malaysia. Es geht um Gold.
Zur Abwechslung waren wir gestern im Kino, diesmal alle vier. Wall.e ist ein am Anfang ziemlich düsterer Animationsfilm (von pixar). Die Hauptfiguren sind Roboter, und auf der Erde versucht ein letzter mit dem Müll der Menschen fertig zu werden, die schon längst mit einem Raumschiff ihren Heimatplaneten verlassen haben. Dann nimmt alles eine Wendung mit dem Eintreffen dieses Roboters der neuen Generation:
Wall.e
WALL.e von der Erde:
WALL.e II
Der Treiler hier, besser als Link, weil Youtube eingebettet nicht so gut läuft.

Gerade als ich dieses hier eingebe, gab es die Entscheidung in Beijing bei der Olympiade, Korea gewinnt. Ein Riesenaufschrei in der Nachbarschaft, scheinbar ging auch irgendwas zu Bruch. Somit dürften sie im Moment an Deutschland im Medaillenspiegel wieder den Anschluss haben.

Und ein kleiner Eindruck vom Strand. Vor über zwölf Jahren war das noch fast undenkbar, wie die ersten Filmküsse. Aber sowas sieht man nun hinten im Bus oder eben fünf Meter neben der eigenen Matte in Seonjong bei Busan zwischen tausenden Badeurlaubern. O.k., es gibt noch Grenzen, aber Körperkontakt bei Pärchen ist schon fast Normalität.

Olympia-Zwischenspiel

August 15, 2008

Freitag ist der nationale Unabhängigkeitstag. Deshalb bin ich zu Hause, das erste Mal in der Woche, so dass ich die Olympiade am Abend live verfolge. Aus den Nachbarwohnungen gibt es immer wieder Aufschreie zu vernehmen. Wahrscheinlich Bogenschießen: Silber, oder Baseball gegen Kanada, oder das Frauenfinale im Doppel beim Badminton. Der Medaillenspiegel zeigt Korea und Deutschland auf Augenhöhe. Die Kinder verfolgen das ganz genau.
Nebenbei gab es kurze heftige Gewitter in Gimhae, die Straßen waren knöchelhohe Seenplatten im Zentrum:

Mitte August

August 13, 2008

Eine Gewitterfront zog in der Nacht über Gimhae und Busan, Wasser floss in Bächen durch die Straßen. Am Morgen war es etwa zwei Grad kühler in der Wohnung: 28°C. Wenigstens bleibt es windig. Wetterbedingt habe ich vor allem ein Problem. Komme ich beim Busfahren in Kontakt mit den Kunstlederflächen werde ich rückseitig nass. Das ist nicht weiter schlimm, nur beim Aussteigen sieht das bescheuert aus. Besonders weiter unten. Stehen im Bus ist bei 80 bis 90 Minuten Fahrt eine Tortur. Ich habe deshalb eine Strategie entwickelt. Etwa bei dreiviertel der Strecke steigen die meisten aus. Dann setzte ich mich quer, den Rücken zur Klimaanlage und mit nur einem Oberschenkel auf der Bank. Dann bleiben 15 Minuten zum Trocknen. Beim Ausstieg habe ich zwei Taschen, mit denen ich im schlimmsten Fall den Rücken abwärts bedecken kann und verschwinde am besten gleich im U-Bahnschacht. Die Koreaner dagegen bleiben sitzen, stehen auf, da ist nichts.

Was ich bisher nicht weiter erwähnt habe: SJ ist im Moment im Gespräch mit einer deutschen Firma in Busan, ein Teil eines weltweiten Netzes, wobei der Hauptsitz in Norwegen liegt.

Olympia gezappt

August 10, 2008

Beim „älteren Bruder“ (meinem Schwager) ist man nicht unbedingt Herr der Fernbedienung. Hier war unsere Familie für den Olympia-Nachmittag vor einem riesigen Bildschirm versammelt. Das war auch gut so, denn Handball der Männer, Deutschland gegen Korea, war nur ein Höhepunkt. So bekamen wir auch das dramatische Ende des Vorrundenspiels der Handball-Frauen Korea gegen Russland mit. Auch hier führten die anderen bis die Koreanerinnen doch noch auf 29 zu 29 ausgleichen konnten. Das Gewichtheben der Frauen bis 53 kg war ebenfalls spannend. Die Koreanerin Yoon Jinhee wurde Zweite. Und Gold ging an Thailand.
Wie schon in Athen fällt auf, dass bereits viele Länder eine Medaille erwischt haben. Die Breite wird größer.
Zum ersten Mal habe ich genauer das Bogenschießen verfolgt. Jetzt weiß ich, warum die Koreanerinnen immer gewinnen. Sie sind perfekt: Schnell und absolut ruhig. Nur China konnte bis zum Ende mithalten. Die Koreaner haben die Mannschaft im kleinen Stadion wie beim Fußball angefeuert.
Und zum Schluß Männer-Handball. Surin und Sayan haben sich auf die deutsche Fanseite begeben. Die deutsche Mannschaft hat dann tatsächlich das Spiel gedreht. Nur der Fußball war enttäuschend. Die Koreaner haben sich abgerackert, aber die Italiener sind cleverer beim Tore-Schießen, 0:3.
Tagesfazit: Schon fünf Mal Edelmetall für Südkorea.

Update Montag: Die Olympia-Begeisterung macht sich nun auch im Sprachkurs breit. Dank Internet konnten wir kurz Fechten und Judo live verfolgen. Irgendwie ließ sich das auch mit dem derzeitigen Kursthema Sport vereinbaren.

Acht Medaillen für Südkorea.