Archive for Februar 2008

Kojedo

Februar 29, 2008

Von Dienstag bis Donnerstag haben wir die Insel südwestlich von Busan umrundet. Zwei Übernachtungen in der gleichen Pension nicht weit von der Küste. Ohne Frühstück aber in einem gut eingerichteten Zimmer mit kleiner Küche. Das Haus ist eine Ausnahme. Anstelle des Betonkerns, der sonst immer noch üblich ist, wurde es komplett aus Holz gebaut. Im Stil der neueren Unterkünfte, die an der Küste entstehen. Dieser Teil der Insel ist Nationalpark, Apartment-Hochbauten werden nicht genehmigt. Das Inhaber-Ehepaar betreibt noch nicht lange die Pension. Er arbeitet gleichzeitig für eine Werft in Okpo. Sie meinte, dass es lange gedauert habe sich an die Einsamkeit hier draußen zu gewöhnen. Es ist nicht alles Großstadt in Korea:
Kojedo XV
Es gibt sogar Leute, die hier über das ganze Jahr gebucht haben. Kojedo, die Insel, ist sehr buchtenreich. Oder anders ausgedrückt: Sie besteht fast nur aus Halbinseln in alle Himmelsrichtungen.
Kojedo Sayan

Kojedo V
Noch gibt es viele kleine Fischerdörfer, wie dieses hier im Norden. Die Kirche wurde auf den Fundamenten einer Festungsmauer gebaut, die ehemals den Ort vor ungewünschten Invasionen schützen sollte, wie zum Beispiel vor Piraten. Pläne zum Wiederaufbau sind bereits vorhanden. Die ehemals gut erhaltene Mauer soll besonders nach dem Koreakrieg zum Terassenfeldbau als Steinbruch gedient haben. Diese Verteidigungsanlagen sind über die ganze Insel verstreut:
Kojedo VI
Neben Möwen warten auch andere Vögel auf Fischreste aus den Fangbooten im Hafen:
Kojedo VII
Es sieht wärmer aus als es ist. Der Winter ist noch nicht gewichen, auch wenn die ersten Pflanzen zur Blüte ansetzen. Die Laubbäume auf den Bergen werden wohl erst im April grün.
Surin am Strand
Weiter Richtung Südwesten, die nächsten Inselgruppen am Horizont:
Kojedo XIII

Vergangenheitsbewältigung

Februar 28, 2008

Zwei Übernachtungen waren wir auf Kojedo. Sayan hat die große Insel nicht weit von Busan schon gesehen. Aber das ist ein paar Jahre her. Noch ist der Weg lang dorthin, aber die Brücken sind schon im Bau, dann wird es keine Stunde mehr von hier dauern. Kojedo ist Standort einer der größten Werften der Welt. SJ hat hier am Anfang ihrer Berufslaufbahn vor 20 Jahren gearbeitet. Ihr Englisch stammt aus Okpo, der Ort, wo mitunter die längsten Tanker und Frachtschiffe gebaut werden. Die Firmen arbeiten international und damit leben viele Ausländer in der Umgebung der Werften. 3000 sollen es im Moment sein, und sie sind mehr als in Busan im Stadtbild vertreten. Die zwei Übernachtungen waren also auch eine Nostalgietour für SJ. Gestern haben wir eine Bustour durch die Anlagen der Schiffsbauer unternommen:
Kojedo IIIDer Hebekran,der alle überspannt ist von einem deutschen Ingenieur konstruiert. Sonst läuft vieles über koreanische Firmen.
Okpo II
Bericht folgt morgen.

Kurzer Blick auf’s Wetter

Februar 25, 2008

fruhling.jpg
Kommt der Frühling? Am Sonntag haben wir die ersten Blüten entdeckt. Die Elstern sind die auffälligsten Vögel und bauen bereits die Nester. Erstaunlich, obwohl die Nächte noch mit Bodenfrost enden. Und heute haben wir einen klassischen Rückfall. Regen seit Montag bei lausigen Temperaturen. Das dürfte Neuschnee in den Bergen bedeuten.
Diese Woche wird das Arbeitszimmer für SJ eingerichtet, ansonsten haben alle, auch die Kinder, eine Woche frei. Vielleicht nutzen wir das für einen kurzen Ausflug ans Meer.

Update, aus dem Regen wird Schneeregen und damit sieht Gimhae die heftigsten Winterniederschläge seit Dezember.
Schneeregen

Aussichten

Februar 24, 2008

bildungswesen.jpg
Dieses Bild wurde mit der letzten Veranstaltung des Kindergartens überreicht. Es sieht aus wie bei einem Uni-Abschluss. Die Absicht ist gut gemeint, aber dahinter steckt der Anspruch, alle Prüfungen in Zukunft zu bestehen und das höchst gesteckte Ziel zu erreichen. Nur wir haben Bedenken über den Weg dorthin. Diese Ausstattung im Foto findet konkret erst über ein Jahrzehnt später statt. Und das passt zu dieser Beobachtung beim letzten Tag im Kindergarten. Die Kleinen bekommen Auszeichnungen, und einige können sich nicht zurückhalten zu vergleichen: Wie viele hast du, wie viele ich? Und die Erzieherinnen haben die Kinder gefragt,was sie sich in Zukunft wünschen. Nicht wenige haben Geld genannt. Und da unterstelle ich, das kommt nicht von ihnen, diese Idee kommt von zu Hause.

Surins letzter Kindergartentag

Februar 23, 2008

Dieser Samstag ist der letzte Tag im Kindergarten. Surin war die längste Zeit in Osnabrück im Spiel- und Sportkindergarten. Angefangen vom Spätsommer 2005. Nun auch für bereits 8 Monate in Gimhae. Die Erzieherin hat gestern schon geweint wegen des bevorstehenden Abschieds ihres Jahrgangs. Heute konnte sie kaum ihre Ansprache an die Eltern zu Ende bringen, anderen kamen auch die Tränen. Da gleichen sich Osnabrück und Gimhae. 😉
Kindergarten Ende
Alle Kinder trugen Nationaltracht, um Urkunden und Präsente von der Leiterin zu erhalten.
Kindergarten Ende II
Die Erzieherin und Surin.
Kindergarten  Ende III
Hier Surin mit einer ihrer engsten Spielgefährten:
Kindergarten Ende IV
Und Surins „Lehrerin“ beim Abschied:
Kindergarten  Ende V
Links in der Mitte Surins Erzieherin und rechts in der Mitte Surin, die ihre Augen bedeckt.

Der harte Kern

Februar 21, 2008

Letzter Tag im Deutschkurs, was kann man anbieten? Wir haben eine Kaffeerunde gebildet. Richtigen Kaffee und Gebäck von den Franzosen am Bahnhof. (Mit einem der beiden französischen Bäcker habe ich kurz gesprochen. Er meinte, sie sollten eigentlich ein Jahr bleiben, doch ihre koreanischen Kollegen würden nur an das Arbeiten denken, kein Spaß, vielleicht werden sie den Aufenthalt abkürzen).

Die Studenten, die bis zum Ende regelmäßig den Sprachkurs besucht haben, werden auch in Zukunft irgendwie mit der deutschen Sprache verbunden bleiben. Ganz konkret, eine der Studentinnen wird im April in Weimar auftauchen. Dann folgen noch zwei weitere mit Karlsruhe und Wien als Wunschziele. Deutschsprachige Länder sind vor allem für das Musik- und Kunststudium beliebt.
Der harte Kern
Zurück zu SJs Arbeitsvertrag, der erst im März in Kraft tritt. Gestern waren Mitarbeiter eines deutschen Autoherstellers bei der koreanischen Zulieferfirma. SJ haben sie dann doch angerufen und sie hat bei einem ersten gemeinsamen Rundgang teilgenommen. Es stellte sich heraus, dass ein Mercedes-Berater mit einer Karmann-Mitarbeiterin auf die gleiche Schule gegangen ist. Ich spare mir hier den Spruch: Die Welt ist… .

Sayan hat ihr erstes Zeugnis in Korea erhalten. Damit ist das 3. Schuljahr jetzt offiziell abgeschlossen. Ihre ehemaligen Klassenfreunde in Osnabrück sind bereits in der 4ten. Hier geht es im März wieder los.

Ende des Schuljahres

Februar 20, 2008

Busan street art
Originally uploaded by Jens-Olaf

Seltene Street Art in Busan, jeden Tag komme ich an dieser Stelle vorbei. Gestern Abend waren hier wieder viele Mittelstufenschüler unterwegs, die in diesen Tagen ihre Graduierungsfeiern veranstalten. Am Bahnhof in Busan war ich überrascht, ein torkelndes Pärchen zu sehen. Die haben das Feiern wohl sehr ernst genommen. Aber sie sind erst 15, trotzdem hat das nicht viel Aufmerksamkeit erregt bei den Wartenden an der Haltestelle. Im Bus lese ich oft Zeitung und tatsächlich, dort wurde von den Auswüchsen der Feiern berichtet. Demnach sind einige Mädchen oben ohne durch die Straßen gelaufen, bis sie von der Polizei festgehalten wurden.
Andererseits: Eine Schülerin sagte gestern im Unterricht, ihr Abschluss sei heute. Sie habe sich aber von einer Freundin vertreten lassen. Sie gehe lieber in den Deutschkurs am diesem Tag.

Update: Ich habe „Auswüchse“ geschrieben. Aber eigentlich ist das alles eine Mediensache. Sicher spektakulär für Korea, aber „So what“? Wo können sich denn Middle School Teenager einmal austoben? Nicht in der Schule, bleibt die Öffentlichkeit. Und es machen auch nicht alle. Viele waren heute mit den Eltern zur Abschlussfeier unterwegs. Die Medien stürzen sich aber auf dieses: James, ein englischsprachiger Blogger, den ich kenne, hat darüber gepostet, hier. Wer mehr sehen möchte, muss dort am Ende auf den Link klicken.

Überraschende Entwicklung

Februar 18, 2008

Manche Dinge lassen sich in Korea vorhersagen, zum Beispiel das Errichten neuer Apartmentkomplexe. Hier beim letzten Testen der Installationen vor der Fertigstellung in Gimhae.
Apartment Licht

Eine unerwartete Wendung hat SJs Kontakt mit dem Zulieferer für Automobilbauer genommen. Beim zweiten Treffen war von einem Vertrag mit Vollzeitstelle, Samstagsarbeit und fehlendem Jahresurlaub gar nicht mehr die Rede. Der Chef der Firma ist sehr aufgeschlossen für neue Dinge. SJ schlug Homeoffice vor, acht Stunden am Tag mit ein oder zwei Tagen in der Woche (je nach Bedarf) vor Ort. Er ist darauf eingegangen. Sie solle es so machen, wie sie es für richtig halte. Am Ende wird sie wahrscheinlich den Titel eines „director“ bekommen. Homeoffice ist eigentlich unbekannt in Korea, er hat nur davon gehört und auch ihre Idee für Gleitzeit in der Firma fand er äußerst interessant. Wer hätte das gedacht, eigentlich ist Korea für Frauen ab einem gewissen Alter kein gutes Pflaster auf dem Jobmarkt. Die Gedanken gingen mehr Richtung selbstständig werden. Was nun diskutiert wurde, das ist schon fast das Unwahrscheinlichste, worüber man bei Arbeitsverträgen in Korea denkt.

Kurstreffen

Februar 16, 2008

Elf Teilnehmer sind in der fünften Deutschkurswoche noch dabei. Und sechs sind heute zu uns nach Hause gekommen. Einige arbeiten samstags. Die Kinder waren aufgeregt: Soviel Besuch hatten wir noch nicht in Korea, seitdem wir hierher umgezogen sind.
Kurstag
Surin und Sayan beim Vorbereiten. Eine Studentin meinte später, dass sie sich wie bei einem Botschaftsempfang gefühlt habe. Die Situation war schon außergewöhnlich. Weder haben die meisten bisher Kontakt mit Ausländern gehabt noch waren sie bei denen zu Hause eingeladen.
Kurstag II
Einiges muss SJ noch berichten, denn die meisten Gespräche waren auf Koreanisch, denen ich zwar folgen kann, aber nicht bis ins Detail. Und davon betrifft einiges meinen Unterricht.
SJ ist heute Abend mit ihren Geschwistern unterwegs. Sie hatte am Vormittag ein Treffen mit dem Chef der Firma, die u.a. einer der kleinsten Zulieferer von Karmann in Osnabrück ist. Sie haben über den Vertrag gesprochen. Der Chef hat alles offen gelassen. SJ soll ihre Bedingungen stellen. Eine völlig außergewöhnliche Situation. Sollten sie eine Entscheidung treffen wäre sie eventuell ein „director“. Abwarten.

Das Stadttor in Gimhae

Februar 14, 2008

Jetzt ist es fast fertig, das rekonstruierte Nordtor der Stadt Gimhae. Natürlich ist es kleiner als die Gegenstücke in Seoul. Dafür ist das Bauprinzip anders. Es fehlt der steinernde Bogen, stattdessen ist der Kern nur aus Holz. In den letzten Tagen wurden die Bauwände drumherum entfernt.
Stadttor im Februar
Anders als in der Hauptstadt besitzt das Tor einen halbrunden Zwinger aus Stein:
Stadttor im Februar II
Die offizielle Neueinweihung wird wohl bald stattfinden.

Themenwechsel.
Heute war Valentinstag, in Deutschland früher völlig unbekannt. In Korea ist dieser aus den USA übernommene Feiertag allerdings sichtbar. Junge Pärchen waren abends im Bus unterwegs, meist mit frischen Blumensträußen ausgestattet. Und auch der „Lehrer“, ich bin gemeint, hat heute ein kleines Präsent von einer Kursteilnehmerin erhalten. Die Auslegung des Valentinstags ist also sehr dehnbar hier.^^

Die Jüngste (15) im Kurs kommt bald in die 10. Klasse, sie ist eine meiner talentiertesten Deutschlerner. Nach den Winterferien hat für sie die Schule wieder angefangen. Letzte Nacht hat sie um 3 Uhr das Licht ausgemacht, dann waren die Hausaufgaben erledigt. Nach der Pause im Kurs ist sie nicht wieder aufgewacht, etwa eine Stunde hat sie geschlafen, während wir anderen leise den Unterricht fortgeführt haben.
Schlaf

SJ dagegen war heute in entgegengesetzter Richtung von Gimhae bei einem Vorstellungsgespräch. Dreimal könnte man raten um was es ging. Aber dreimal wird nicht reichen.
Es ist eine Zulieferfirma, o.k.,für die Automobilbauer, o.k., es ist ein Karmann-Zulieferer. Nur das wusste SJ vorher nicht. Es ist eines der wenigen koreanischen Unternehmen, die als Kleinbetrieb auf dieser Ebene direkt mit ausländischen Firmen operieren. Mal sehen, was die weiteren Gespräche bringen werden.