Archive for Januar 2008

Was liegt an?

Januar 31, 2008

Die Versuchung ist groß nur schöne Fotos zu posten. Was das Wetter betrifft nicht allzu schwer: Meist bleibt es sonnig und kalt mit leicht diesigem Einschlag. Nur vor wenigen Tagen hatten wir schöne Wintertristesse. Der Blick schräg aus dem Wohnzimmer:
Selten grau
Sayan geht nach 5 Wochen Winterferien morgen wieder in die Schule. Surin ist schon lange im Kindergartenrhythmus, bis März. Dann ist Einschulung.
Für mich ist der Rückweg vom Sprachkurs zeitlich etwas länger als der Hinweg. Ich weiß, dass Koreaner wenig Probleme mit alltäglichem Körperkontakt haben. Aber dass 25jährige an meiner Schulter im Bus einschlafen, hätte ich dann doch nicht für möglich gehalten. In den 90ern sind wir in Busan meistens nur stehend Bus auf Kurzstrecken gefahren.

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Der Deutschkurs

Januar 29, 2008

Dieses Foto ist fällig. Hier findet gerade der Anfänger-Grundkurs statt, wo ich unterrichte. Im „German Building“. Diese Einrichtung ist entstanden durch der Initiative der Honorarkonsulin der Bundesrepublik in Busan. Sie ist Koreanerin. Der Hintergrund ist ein Unternehmen, das sie leitet und mit dem sie Verbindungen mit beiden Ländern unterhält.
German Building
Übrigens hat es heute das erste Mal auch in Gimhae und Busan geschneit. Am Morgen lag eine hauchdünne Schneedecke.

Eine Familien-Expedition

Januar 28, 2008

Mein 55jähriger Schwager ( „älterer Bruder“) ist im Ski-Fieber. Fast jedes Wochenende sucht er eine Gelegenheit, die Hänge in Korea auf Brettern runter zu kommen. Und sei es nur in der Halle in Busan. Natürlich möchte er auch die übrigen Mitglieder der Familie gleich mitinfizieren: Seine Tochter mit Mann und Kind, seine jüngere Schwester Nr. 1, seine jüngere Schwester Nr. 2, das ist Soonjung, inklusive ich, Surin und Sayan. Das Angebot: Sie fahren mit zwei Pkws über vier Stunden Richtung Nordosten zum Ski-Resort High1. Nähe Taebaek-San.
Ski
Am Samstagmorgen sind wir unterwegs. An der Provinzgrenze nördlich, die ersten Schneeberge entlang der Autobahn.
Der Rest schlängelt sich durch das Gebirge bis zu unserer Unterkunft, einer Art Pension. 35 Euro pro Person für den privaten Transport hin und zurück zu den Liften, Übernachtung, und Rücknahme der geliehenen Skiausrüstung.
Der „ältere Bruder“ ist startbereit:
Ski II
Die Kinder üben Schneeballwerfen. Das ist aber nicht einfach. Der Schnee ist kalt und pulverig. In der Nacht wird es -20°C werden.
Ski III
Im Ort, wo es die Ausrüstungen gibt, sieht es so aus:
Ski IV
Für die Kinder ein historisches Ereignis: Sie haben noch nie auf Skiern gestanden. Nach einer Gondelfahrt auf halber Höhe üben wir an einem Anfängerhang. Surin ist am wenigsten vorsichtig:
Ski V
Sayan arbeitet sich den Hang hoch, Surin fährt runter:
Ski VI
Skifahren hat in beiden Familienhälften mittlerweile Tradition:
Ski VII
Und Sayan, für sie ist es ebenfalls das erste Mal auf Brettern:
Ski IX
In den Alpen gibt es Raststationen, hier auch. Der Helm ist übrigens Pflicht für die Kleinen:
Ski VIII
Mythische Gestalten als Dekoration an den Liftstationen:
Ski X
Am Abend gibt es den ersten Ausfall. SJs Schwester kracht mit zwei anderen Anfängern zusammen und verdreht sich das Kniegelenk. Der Service ist professionell. Alle hundert Meter stehen die Notrufnummern auf Bannern mit der Angabe der Unfallstelle. Ihr Bein ist nach wenigen Minuten bereits geschient. Der Abtransport auf der 3 km langen Anfängerstrecke geschieht mit einem Schlitten. Unten ist die Erste Hilfe Station:
Ski XI
Mit Warn-Trillerpfeifen werden die Verletzten hinunter gebracht.
Ski XII
Am Abend verletzt sich gegen 21 Uhr dann noch die Tochter des „älteren Bruder“. Um 23 Uhr sind alle komplett in der Unterkunft, die beiden Verletzten werden versorgt. Kurz vor Mitternacht kommt noch ein Essens-Service vorbei. Irgendjemand hat Hähnchen bestellt. Zwischen ein oder zwei Uhr sind alle bettreif. Nur SJ, ich und der „ältere Bruder“ haben noch Lust auf mehr am Sonntagmorgen:
Ski XIII
Mit der Gondel bergauf, die Station liegt auf über 1200m Höhe.
Brauch ich (älterer Bruder) ne‘ Skischule?
Ski XIV
Die Bergspitze.
Ski XV
Die meistbefahrene Strecke ist die Anfängerpiste:
SKI XVI
Die Fortgeschrittenen sind schon eher allein:
Ski XVII
Von ganz oben dieser Ausblick:
Ski XVIII
Und die schwarzen Strecken sehen so aus:
Ski XIX
Kleines Update, das Video:

Sayan im Wasserwerk

Januar 24, 2008

Fotos sollte Sayan machen, und das hat sie mitgebracht: Einige Eindrücke aus dem Wasserwerk in Gimhae. Die Technik zur Trinkwasseraufbereitung ist nicht von Vorgestern. Die Versorgung der neueren Wohngebiete ist auf modernstem Stand. Sayan hat heute selbst Fotos bei einem Besuch des Wasserwerks in Gimhae aufgenommen:
Wasserwerk
Ohne Klärstufen geht auch hier nicht viel. Die Wasserqualität am Anfang des Prozesses schwankt im Laufe des Jahres. Dann wird es zum Beispiel mit Ozon behandelt.
Wasserwerk II
Die Außenanlagen, Foto von Sayan:
Wasserwerk III
Und von der Seite aufgenommen:
Wasserwerk IV
Das Wasser wird mit Flour versetzt, für die Zähne. Einige sind dagegen. Wasser aus der Leitung ist anders als in alten Siedlungen jedenfalls trinkbar, ohne Abkochen zu müssen.

Mittwoch

Januar 23, 2008

Der Fußweg vom Bahnhof Busan zum Sprachkurs führt durch die ehemalige „American Street“. Aber deren große Zeit liegt schon lange zurück. Eher sind die Spuren des Chinaviertels zu sehen. Der Eingang zur Fußgängerzone ist mit entsprechenden, torartigen Bögen versehen. Auffällig, dass gerade die chinesische Schule renoviert wird. Knallbunt wird sie sein.
Chinesische Schule
Aber die Überzahl der Geschäfte in der Umgebung trägt kyrillische Schriftzeichen. Bewusst schreibe ich nicht russische, denn gestern habe ich Brot gekauft: Bei einer Koreanerin, die in Usbekistan aufgewachsen ist und dort zur russischsprachigen Schule gegangen ist. Koreanisch ist nur ihre zweite Sprache, oder erste Fremdsprache. Englisch kann sie auch, und zwar hervorragend. Das Brot ist extra nach russischem Rezept gebacken, die Salami in dem Geschäft ist ebenfalls zu empfehlen und demnächst werde ich dort Käse kaufen.
Rusko
Die zweite Woche Intensivsprachkurs läuft. Ein Blick aus dem Fenster des Kursraums. Links an der Wand hängt eine der beiden Deutschlandkarten.
Sprachkurs
Der Raum ist vorbildlich ausgestattet. Den Fernseher für DVD oder Video habe ich noch nicht benutzt, aber vom Internet (PC ist vorhanden) über den Beamer konnte ich bereits einige nützliche Webseiten für den Unterricht auf die Projektionswand werfen. Als Abwechslung zum Buch, das wir benutzen. Der Fernseher ist eh zu klein zum Textlesen.
Am Abend sind wir zu der „Foreign High School“ gefahren, wo ich den Vertrag für das kommende Schuljahr, das im März beginnt, unterschrieben habe. Viele Worte wurden darüber nicht gewechselt, die zuständigen Lehrer sind sehr entspannt, einfache Kopien meiner Uni-Zeugnisse reichten für die Schule. Sehr unbürokratisch das Verfahren.
Ein flüchtiger Blick auf den Haupteingang:
Foreign language school

(Halb)koreanische Familien in Gimhae

Januar 20, 2008

Die Mehrheit der Familien in Gimhae (450 000 Einwohner) haben keinen Migrationshintergrund. Mehrzahl heißt: Fast alle. Bis auf etwa 80 Familien mit Kindern, wobei die Mütter aus den Philippinen, Thailand aber auch Japan stammen. Ein Vater einer Familie in Gimhae kommt sogar aus Deutschland. Eventuell ist Sayan die einzige Schülerin in ihrem Stadtteil, deren Eltern nicht nur koreanisch sind.

Integration ist in Korea ein stark diskutiertes Thema in den Medien, eher weniger im Alltag. Das Bildungsministerium der Region hat sich jedenfalls Gedanken gemacht und solche Familien zu einer Wochenendfahrt nach Gyeongju eingeladen. Das ist eine der wenigen Städte des Landes, die ihren historischen Charakter behalten haben. Sie war einmal Hauptstadt des Königreichs Silla. Um 800 lebten 100 000 Menschen dort. Und sie war Zentrum des Buddhismus in Korea, noch heute gibt es unzählige religiöse Monumente und Hinterlassenschaften. Ziel des Ausflugs war der wichtigste noch existierende Tempel Bulguksa.
Natürlich wird ein Gruppenfoto gemacht, nicht das Einzige an diesem Tag:
Ausflug
Vor dem Eingang alte Stein-Stelen mit viel Symbolik:
Stelen
Und in jedem Eingang zu größeren Tempeln stehen die Gebieter der Himmelsrichtungen:
Tempeleingang
An der Hauptpagode, wacht ein Löwe. Ein Tier, das den Osnabrückern nicht ganz unbekannt sein sollte. Nur hat dieser Löwenp… hier eine andere Bedeutung.
Löwe
Zwei verschiedene Dachformen und im Hintergrund die Pagode:
Dächer
Nächste Station die Königs- und Königinnen (!)-Gräber in der Stadt. Zum Teil liegen sie mitten zwischen den Häusern. Das Silla-Reich existierte vor dem Eintreffen des Konfuzianismus, der die Frauen aus dem Herrschaftsgeschäft gedrängt hat.:
Shilla
Mittagszeit, ein Zwischenstopp in einem traditionellen Restaurant, neben Sayan eine der beiden japanischen Mütter, die mitgefahren sind:
Sayan
Für die Kinder war das Nachmittagsprogramm gedacht, zwei Stunden im Vergnügungspark Gyeongju-World:
Submarine
Die Zeit reichte für 4 bis 5 Stationen, auch hier alles gesponsert vom Ministerium, ebenso das abschließende Abendessen. Das Hauptgericht war gegrilltes Rindfleisch, direkt über glühender Holzkohle am Tisch. Neu war eine der Beilagen, die ich noch nicht kannte. Rohe Leber, die in Sesamöl (Schälchen) eingetaucht wird und ein Teil des Verdauungsorgans (wahrscheinlich Rind):
Leber
Dieses Essen war wohl nur möglich, da die Teilnehmerzahl geringer war als erwartet, aber die Frauen haben durchblicken lassen, dass sie den Tag genossen haben. Ohne ihre Männer^^

Kleine Entdeckung

Januar 18, 2008

Seit ich zum Sprachkurs fahre, komme ich an einer Bäckerei am zentralen Bahnhof in Busan vorbei.  Nicht unüblich, dass Bäckereien französische Namen tragen. Paris Baguette ist eine Kette und ziemlich verbreitet. Dieses Geschäft heißt allerdings Pain D’Or und sie haben ein richtiges Brot, allerdings schön teuer.

Beim zweiten Besuch habe ich ein Plakat entdeckt: Eine junge Französin und ein Franzose arbeiten hier.  Eine Verkäuferin habe ich daraufhin angesprochen. Gleich wurde die Französin herbeigewinkt. Was mich im Reflex zu meinen verstaubten Sprachkenntnissen in Französisch greifen lies. Bonjour Madame etc.  dann Koreanisch.  Habe noch ihr Brot in beiden Sprachen, Koreanisch/Französisch, gelobt und mich dann verabschiedet. Sieht so aus, dass ein paar Fragezeichen bei ihr zurückgeblieben sind.

Heimweg

Januar 16, 2008

Nichts Weltbewegendes, aber da ich nun zwei Stunden am Tag und mehr im Bus sitze, habe ich einfach die Kamera an einer beliebigen Stelle laufen lassen, etwa 30 min vor Gimhae. Bald nach dieser Aufnahme verlässt man Busan.

Der erste Kurstag

Januar 14, 2008

20 Teilnehmer haben sich für den zweiten Anfängerkurs Deutsch im Sprachzentrum angemeldet. Der Intensivkurs läuft jetzt die nächsten 5 Wochen täglich für zweieinhalb Stunden. Von Gimhae aus pendel ich jeweils eine Stunde hin und zurück mit dem Bus.

Erstaunlich gut sind die Studenten in der Aussprache, alle sind um die 20 Jahre alt. Wahrscheinlich macht sich jetzt der Englischunterricht der Schule bemerkbar. Sie fügen nicht mehr die Vokal-Endungen den Wörtern hinzu, die das Koreanische ansonsten vorsieht. Voll koreanisiert spricht sich Jens zum Beispiel wie “ Entse“ aus.

Dass Schüler und Studenten im Unterricht einschlafen (am Nachmittag), habe ich nun selbst erlebt. Besonders in der Pause sind einige gleich weggenickt. Morgen werde ich versuchen herauszufinden, wie ihr Tagesablauf ist. Auch kenne ich noch nicht den Grund, warum sie Deutsch lernen. Der Kurs ist freiwillig und kostet einiges. Am Ende habe ich mit einer Teilnehmerin ein paar Worte gewechselt. Ihr Ehemann wird für seine Firma vier Jahre in Hamburg arbeiten. Beide ziehen bereits im Frühjahr um.

Kumusta & Aibowan tandoori Bar

Januar 12, 2008

Kumusta and Aibowan tandoori Bar
Drei Länder in einem Wort: Kumusta stammt aus den Philippinen, Aibowan aus Sri Lanka und tandoori ist ein Hinweis auf die Betreiber dieser neuen Bar in Gimhae, zwei Brüder aus Pakistan. Zielpublikum: Alle Zugewanderten in Gimhae, darunter auch die Englischlehrer aus Amerika, Australien, Südafrika und Europa. Seit einiger Zeit war das ehemals angesagte Beer &Girls auffällig leer. Dort war mal der Expattreff gewesen. Doch das Land ist schnelllebig. Die beiden Brüder, die jetzt Koreaner sind, haben eine eigenwillige Mischung geschaffen. Eine westliche Bar, indisches Essen oder amerikanische Snacks, Guiness vom Fass oder Becks aus der Flasche. Am frühen Abend werden auf der großen Projektionsfläche Nachrichten aus Pakistan übertragen oder einer der unzähligen Filme aus Bollywood. Freitag Abend gehört den Englischlehrern: „Teacher’s night“. Den Tipp auf diese Bar bekam ich von einem Neuseeländer in einem Cafe. Noch am gleichen Tag bin ich dort um 21 Uhr gelandet. Von da ab hat es etwa 6 Stunden gedauert bis einige der anwesenden Biografien inklusiv meiner abgearbeitet waren: Ein afrikanischstämmiger Amerikaner aus Ohio. Ein Australier, ein trinkfester Waliser, der mit einer Koreanerin verheiratet ist, ein Kanadier, ein Nigerianer, der vor einem Jahr ohne Kontakte nach Seoul kam, jetzt in Gimhae lebt und in Zukunft Gebrauchtwagen aus Deutschland in sein Heimatland importieren möchte, eine Thailänderin, die als Bedienung arbeitet und mit einem US-Amerikaner aus Florida zusammenlebt, ebenfalls verheiratet. In der Regel sind alle um die 30 oder jünger. Es ist einer der wenigen Orte, wo sie ohne Rücksicht Englisch sprechen können, wie sie es von früher gewohnt sind, auch deshalb wird jeder Neuankömmling mit Handschlag begrüßt und sich gegenseitig vorgestellt. Ein Koreaner, den ich früher in einem PC-Bang (Internetcafe) getroffen habe, stieß dann auch noch dazu. Er wird bald nach Australien auswandern, sein Begleiter, ein Schauspieler in Gimhae, hat früher Deutsch studiert.
Am Samstag kommen dann die vielen Arbeiter aus Südostasien dazu, denn deren Wochenende beginnt erst heute Nachmittag.
Kumusta and Aibowan tandoori Bar
Ein Angebot in der Teacher’s night ist das Benutzen eines Laptops. Damit darf jeder DJ spielen. Über das Programm Youtube werden die angesagten afrikanischen oder amerikanischen Lieblingshits abgerufen und die Videos auf die große Leinwand übertragen. Der Waliser und der Amerikaner aus Ohio haben von dieser Gelegenheit Freitagnacht ausgiebig Gebrauch gemacht.

Hier die genaueren Angaben der Bar: Kumusta Bar