Die Oberschüler an meiner Highschool bereiten sich auf die Zwischenprüfungen vor. Gestern fragte ich eine Klasse, wie lange sie letzte Nacht geschlafen haben. Aus einer Ecke kam eine Stimme:“Zwei Stunden“. Darauf geht ein anerkennendes Raunen durch die Bänke. Scheint der Tagesrekord zu sein.
Englisch ist an der Schule ein Schwerpunktfach. Damit die mündliche Prüfung möglichst objektiv ist, haben die Amerikaner und Kanadier vorgeschlagen, jeden einzelnen Beitrag aufzunehmen. Komischerweise kam eine Zusammenarbeit mit dem Leiter des Computerraums nicht zustande. Die Prüfungen werden nun in unserem Lehrerzimmer stattfinden. Am Dienstag durften alle einmal üben. Sie hören ein Audio-Band, bekommen eine Aufgabe und müssen dann ihre mündliche Antwort mit dem PC aufnehmen. Der Vorteil ist, dass die Lehrer danach in Ruhe die Ergebnisse vergleichen können und vielleicht gerechtere Zensuren geben. Das Englisch-Niveau ist ganz schön hoch.
Über den Tagesablauf der Schüler hat James in Busan einen besseren Einblick, er unterrichtet schon lange in Korea, bisher das genaueste Bild über den Tagesablauf von Jugendlichen, das ich im Internet gefunden habe:
The Korean education system … .
Ich muss noch hinzufügen: Lernen kann viel bedeuten, zum Beispiel Zeit mit Büchern verplempern, automatisches Übersetzen, Musik hören und gleichzeitig schreiben, schlafen im Unterricht, an etwas anderes denken, konzentriertes Nachdenken, erinnern. Ich bin noch weit davon entfernt, mich in die Situation eines Schülers zu versetzen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Ein Detail fiel mir aber gestern auf. Ein Schüler bearbeitet schwierige Englischtext-Aufgaben. Es geht um das Bauhaus, Architektur, Zeitgeist, Umgestaltung des Alltags, neue Wohnideen. Zunächst versucht der Schüler alle Worte zu übersetzen, dann muss er eine Aufgabe richtig lösen. Als Kontrolle, wie viel er denn vom Text inhaltlich versteht, habe ich das Bauhaus erklärt, grob im Vergleich zu früher, an die Tafel moderne Möbel gezeichnet, danach Fotos aus dem Deutschlehrbuch gezeigt. Der Schüler sieht dann irgendwann ein Foto mit vielen alten Fachwerkhäusern und fragt: “ Ist das Bauhaus?“ Tragisch, sie müssen alles rein sprachlich bewältigen und der Gegenstand bleibt völlig unverständlich.
Übrigens: Nach den Examensarbeiten fliegen die Schüler in alle Himmelsrichtungen. Für viele wird es mit 17 der erste Auslandsaufenthalt sein. Je nach Wunsch teilen sich die Gruppen in Japan- China- oder Taiwanbesucher. Ich bin gespannt, was sie als Eindrücke mitbringen werden. Nächste Woche ist also Exkursion angesagt.