Nach über 6 Monaten in Korea waren die letzten Tage sehr denkwürdig. Immerhin geht es darum, wie wir hier längerfristig Fuß fassen. Einiges haben wir schon auf die Beine gestellt. Zuletzt SJ mit Sprachlehre, Dolmetschen oder Übersetzen. Vor Weihnachten kam ein Anruf, ein Sprachzentrum in Busan benötige eventuell einen Kurslehrer Deutsch für Anfänger. Und tatsächlich, wir hatten im Sommer schon mit der Leiterin des Zentrums gesprochen, und sie hat nun die Idee wieder aufgegriffen, ab Montag beginnt der nächste Kurs. Sie hatte immer noch an uns gedacht, eine willkommene Unterstützung. Dieses Sprachzentrum hat wiederum eine Anfrage von einer privaten Schule in Busan erhalten; sie suchen einen deutschen Muttersprachler. Die Schule gehört zu den gefragtesten Bildungseinrichtungen der Stadt, die den Schwerpunkt Fremdsprachen haben. Gestern war ich dort zum Vorstellungsgespräch. Der Direktor war froh, dass SJ dabei war, um zu dolmetschen. Sayan und Surin sind gleich mit im Zimmer des Schulleiters gelandet. Die übergeordnete Leitung der Schule hat vorgegeben, dass unbedingt Muttersprachler im kommenden Schuljahr eingesetzt werden sollen. Der Direktor soll diese Vorgabe offenbar unmittelbar umsetzen. Mir gegenüber saß dann auch der jetzige Deutschlehrer, der damit wahrscheinlich entlassen wird. Das hat er im gleichen Moment erfahren, wie ich mit Surin auf dem Schoß ihm gegenüber saß. Im gleichen Raum.
Januar 9, 2008 um 8:13 |
Hallo Ihr Lieben,
eine eigenartige und irgendwie bedrückende Situation, die für Euch zugleich große Chancen bietet – ich wünsche Euch gutes Gelingen auf dem Weg.
Ich glaube, der Deutschlehrer findet schnell wieder einen Job – immerhin hat er den Vorteil, auch die Schüler zu verstehen …
Aber wie willst Du das machen mit der Verständigung?
Beste Grüße
Lothar
Januar 10, 2008 um 8:36 |
Erstaunlich ist der Vertrauensvorschuss, den man bekommt.
Ansonsten ist das Fremdsprachenlernen durch „native speakers“ tatsächlich so aufgebaut, dass viele (meist Englischlehrer) nach Korea kommen und einen 1-Jahresvertrag erhalten. In der Regel haben sie überhaupt keine Koreanischkenntnisse. Die groben Zahlen, die kursieren, sind 15 000 Englischlehrer mit entsprechendem Visum und nochmal so viele, die auf anderer (inoffizieller) Basis unterrichten.
Januar 10, 2008 um 9:31 |
Hallo,
ja in der Tat eine Situation die für gemsichte Gefühle sorgt. Wie sieht es überhaupt grundsätzlich auf dem Arbeitsmarkt in Korea aus?
Gruß Carsten
Januar 11, 2008 um 7:34 |
Schwere Frage, natürlich könnte ich die Abeitsmarktzahlen und Beschäftigungsrate benennen, aber da drin steckt nicht viel Information. Zum Beispiel: Welche Art von Arbeitsplätzen? Aus einem Buch eines hier lebenden russischen Professors über Korea habe ich die Zahl von 250 000! Taxis bei 50 Millionen Einwohner aufgeschnappt.
Auffallend ist die Anzahl der Verkäufer/innen in Supermärkten. Bei der Tankstelle wird man von einem Team mit 3-4 Helfern begrüßt. Aussteigen ist nicht nötig. Die Autobahnen haben Mautstellen, gewöhnlich sind mehrere Kassen besetzt, jeweils bei jeder Ein und Ausfahrt. In Städten gibt es viele kleine Parkplätze, zum Teil für nur 20 Pkws. Selbst dann kommt in der Regel der Parkplatzwärter. Außerdem, manche meinen, Korea habe eine viel zu hohe Selbstständigen-Rate. Zu dieser Gruppe zählen die Restaurant-Betreiber. Und die kann man kaum zählen, manchmal hat man das Gefühl, jedes zweite Geschäft ist ein Restaurant oder Schnellimbiss. Wenn über die koreanische Wirtschaft geredet wird, meist über die Anzugträger in den großen Firmen und deren Arbeiter.
Januar 14, 2008 um 11:58 |
Und noch eine Zahl. Korea benötigt viele Arbeitskräfte in der Produktion. Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer aus Pakistan bis Thailand ist innerhalb von 10 Jahren auf nun bereits etwa 600 000 gestiegen.
Auf der anderen Seite finden nicht alle jungen Leute nach der Schul- Hochschulausbildung eine Stelle, die für sie passend ist.